Haken schlagen

Von vielen Kletterern inzwischen als antiquiert angesehen gibt es auch heute immer wieder Situationen in denen das Haken schlagen praktiziert werden muss. Sei es um eine neue Route erstzubegehen, weil Aufgrund eines Wetterumschwunges ein Rückzug gestartet werden muss oder einfach um bei alten klassischen Linien die schlechtesten Rostgurken gegen neue zu ersetzen.
Zuerst muss ein für einen Haken geeigneter Platz gefunden werden. Ein Riss in nicht brüchigen Gestein. Schlaghaken entwickeln eine nicht zu unterschätzende Sprengwirkung, große Schuppen oder auch schwere Felsblöcke sprengen Haken mühelos weg, man denke nur an einen Keil wie er zum Holz spalten verwendet wird. Nun muss der Haken zum Riss passen. Im Kalk werden meist Weichstahlhaken, sie passen sich besser dem Rissverlauf an, und im Granit Hartstahlhaken verwendet.

Da Hartstahl sich weniger verformt sollten sie ca. 2/3 der Schaftlänge in den Riss gesteckt werden. Weichstahlhaken sollten nicht mehr als 1/3 eingesteckt werden können.

Je nach Rissbreite passen unterschiedliche Hakenformen. Wie der Name schon andeutet eignen sich Messerhaken gut für sehr schmale Rissformen, meines Wissens sind Messerhaken nur als Hartstahlhaken erhältlich. Abgewinkelte Formen, obwohl ursprünglich für horizontale Risse gedacht, eignen sich besser für vertikale Risse, da sie unter Belastung ein Drehmoment entwickeln. Universalhaken passen meist in mittelbreite Risse. Die heute am weitesten verbreitete Form ist mit einer um 45° verdrehten Öse. Diese Bauart passt gleichermaßen für horizontale wie auch für vertikale Risse. Der klassische Fichtelhaken, ein Universalhaken mit 90° verdrehter Öse, verlieren zwar zunehmend an Bedeutung doch lassen sie sich etwas leichter entfernen. V-Profilhaken finden schlussendlich bei Rissen bis zu ein, zwei Zentimeter Breite Verwendung. Auch diese Haken sind bauartbedingt aus Hartstahl hergestellt.
Nun beginnt die schweißtreibende Arbeit des Haken einschlagens. Der Anfänger sollte sich lieber einen Platz an dem er gut steht suchen. An einer Hand hängend einen Haken zu schlagen kann ein sehr mühsames und auch gefährliches Abenteuer werden. Da die Schwerkraft gerade beim Klettern schwerwiegende Folgen hat, sollte sowohl der Hammer als auch der Haken gegen Verlust mittels Reepschnur gesichert sein. Beim Haken reicht auch ein 2mm Modell beim Hammer darf es ruhig ein etwas festeres Modell sein.

Nun wird der Haken eingetrieben bis er am Felsen ansteht. Dabei muss der Haken immer einen singenden Ton von sich geben. Sollte der Haken plötzlich dumpf klingen hat vermutlich der Fels irgendwo nachgegeben und der Haken hält nichts. Sollte ein vollständiges Einschlagen nicht möglich sein und die Öse liegt nicht am Fels auf, muss der Schaft mit einer Bandschlinge und einem Ankerstich abgebunden werden.

Nun ist der Haken hoffentlich richtig eingeschlagen und hält. Fachkundig gesetzte Haken halten normalerweise sehr gut. Leider kann bei einem bereits in der Wand steckenden Haken nicht überprüft werden ob beim Einschlagen geschlampt wurde. Auch Korrosion und Hakenlänge sind von außen nicht beurteilbar.

Haken entfernen

Da von Wiederholern die Art der Kletterei nicht verändert werden sollte, müssen zusätzlich geschlagene Haken im Normalfall wieder entfernt werden. Auch beim ersetzen alter Haken gegen Neue sollten die alten Haken entfernt oder zumindest unbrauchbar gemacht werden. Schon nach kurzer Zeit im Fels, kann nämlich nicht mehr beurteilt werden welches die Haken neuren Datums sind.
Zum entfernen von Schlaghaken wird zuerst von beiden Seiten auf den Haken geschlagen, bis er sich lockert.

Auch hier ist eine Sicherung des Hakens mittels Reepschnur eine gute Möglichkeit der Schwerkraft ein Schnippchen zu schlagen. Wenn der Haken sich gelockert hat kann er recht einfach mit dem spitzen Dorn des Hammers aus dem Riss herausgehebelt werden.

Verbogene Weichstahlhaken können recht einfach wieder gerade gebogen werden. Stark gekrümmte Hartstahlhaken lassen sich nicht mehr zurück biegen. Auch vom erhitzen des Materials kann nur gewarnt werden, da sich die Eigenschaften des Stahls verändert.

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